„Herzergreifend und hymnisch: Matthew Frederick tritt mit Obsolete wieder ins Rampenlicht“
- Aurora Linse
- 25. Dez. 2025
- 2 Min. Lesezeit

Obsolete von Matthew Frederick erscheint mit der stillen Selbstsicherheit eines Künstlers, der genau weiß, wer er ist – und nicht länger das Bedürfnis verspürt, sich beweisen zu müssen. Als seine erste Solo-Veröffentlichung seit fünf Jahren fühlt sich die Single weniger wie ein Comeback an, sondern vielmehr wie ein natürliches Wiederauftauchen: getragen von gelebter Erfahrung und zugleich bemerkenswert erneuert im Klang.Schon in den ersten Momenten findet Obsolete die Balance zwischen Intimität und Größe. Fredericks Stimme – warm, gereift und emotional ungeschützt – steht im Zentrum des Songs und trägt Texte, die sich mit Entfremdung, Relevanz und der Angst vor dem Zurückbleiben auseinandersetzen.
Eine bittersüße Melancholie durchzieht die Erzählung, ohne je in Selbstmitleid zu verfallen. Stattdessen richtet sich der Song nach vorn und findet Stärke in der Reflexion. Genau diese Spannung – zwischen Verletzlichkeit und Entschlossenheit – verleiht Obsolete seine emotionale Sogkraft.
Musikalisch markiert der Track eine subtile, aber bedeutende Weiterentwicklung von Fredericks Solo-Sound. Gemeinsam mit Jethro Chaplin in den Mwnci Studios co-produziert, wirkt die Produktion weitläufig, ohne ihre menschliche Nähe zu verlieren. Jack Beddis’ Schlagzeug sorgt für einen ruhigen, zurückhaltenden Vortrieb, während David Grubbs Streicher mit filmischer Eleganz anschwellen und den Song in euphorische, hymnische Gefilde heben. Das Arrangement spiegelt die lyrischen Themen perfekt wider: das Gefühl, dass etwas Zerbrechliches auf dem Weg zu etwas Größerem, Hellerem und Mutigerem getragen wird.
Am eindrucksvollsten an Obsolete ist, wie mühelos der Song Herzschmerz und Hoffnung miteinander verbindet. Frederick hat sich schon immer als ein Meister des gefühlvollen Songwritings erwiesen – ob mit Climbing Trees, Hazel & Grey oder solo –, doch hier schärft er diesen Instinkt mit Klarheit und Zurückhaltung. Jedes Element wirkt bewusst gesetzt. Nichts ist überladen, nichts verschwendet. Das Ergebnis ist ein Song, der sich zugleich zutiefst persönlich und universell nachvollziehbar anfühlt – fähig, einen Raum bei einem Live-Auftritt zu füllen und dennoch wie ein privates Geständnis über Kopfhörer zu wirken.Als eigenständige Single steht Obsolete selbstbewusst für sich; als Wegweiser zu Fredericks nächstem Longplayer ist sie leise aufregend. Der Song zeigt einen Künstler, der weder Trends noch vergangenen Erfolgen hinterherjagt, sondern sein Handwerk mit Ruhe und Selbstvertrauen verfeinert. Alles andere als veraltet beweist Obsolete, dass Matthew Fredericks Songwriting weiterhin lebendig, resonant und emotional leuchtend ist. Wenn dieser Track ein Hinweis ist, könnte sein nächstes Kapitel sein bislang überzeugendstes werden.



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