Ein Mond am Tage und ein schweres Herz: Will Sims’ The Mourning Moon leuchtet in stiller Reflexion
- Aurora Linse
- 31. Dez. 2025
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 7 Tagen

Mit The Mourning Moon betritt der aus Baltimore stammende Künstler Will Sims eine dunklere, introspektivere Ecke seines Sounds – und tut dies mit bemerkenswerter Sicherheit. Die am 23. Juni 2025 veröffentlichte Single markiert einen klaren stilistischen Wandel: Sims tauscht organische Rhythmen gegen einen vollständig elektronischen Puls, bewahrt dabei jedoch den emotionalen Kern, der sein Songwriting seit jeher prägt. Das Ergebnis ist ein Track, der zugleich fremd und schmerzlich vertraut wirkt, wie ein halb erinnerter Traum.
Schon in den ersten Momenten etabliert The Mourning Moon seine Atmosphäre durch programmierte Drums und düstere Synth-Texturen, die in Zusammenarbeit mit Tony Correlli im Deep End Studio entstanden sind. Der elektronische Beat bleibt zurückhaltend statt überwältigend und lässt Raum für feine klangliche Details – ungewöhnliche Effekte, nachhallende Reverbs und einen Moog-Synthesizer, der mit leiser Spannung vibriert.
Diese Elemente rufen die schattenhafte Romantik von The Cure und Cigarettes After Sex hervor und verweisen zugleich auf die industrielle Unruhe von Nine Inch Nails. Dennoch verfällt der Song nie in bloße Nachahmung; Sims’ Stimme und Vision stehen stets im Mittelpunkt.Textlich basiert der Song auf einer kraftvollen Metapher: dem flüchtigen Anblick des Mondes am helllichten Tag. Sims nutzt dieses Bild, um Themen wie Verlust, Abwesenheit und bleibende Nähe zu erforschen – die Vorstellung, dass jemand immer noch bei einem ist, selbst wenn man ihn nicht sehen kann. Sein Vortrag ist zurückgenommen und aufrichtig, sodass die Worte nachhallen dürfen, statt Aufmerksamkeit einzufordern. Vor dem Hintergrund von Sims’ eigener Aussage, dass der Song seit dem Tod seines Vaters eine neue Bedeutung erhalten hat, wiegt die emotionale Tiefe umso schwerer und verwandelt das Stück in einen stillen Akt des Gedenkens.
Besonders fesselnd ist The Mourning Moon durch das ausgewogene Zusammenspiel von Experimentierfreude und Zugänglichkeit. Das elektronische Gerüst und die „seltsamen Effekte“ bergen ein gewisses Risiko, doch Melodie und emotionale Linie halten den Song geerdet. Es ist ein bedeutender Moment in Sims’ musikalischer Entwicklung und ein Zeichen für einen Künstler, der bereit ist, sich weiterzuentwickeln, ohne die melancholische Intimität aufzugeben, die ihn mit seinem Publikum verbindet.Während die Vorfreude auf die Album-Release-Show am 23. August in der Monument City Brewing Company wächst, steht The Mourning Moon als starkes Statement für sich. Es ist ein nachdenkliches, immersives Stück – eines, das die Hörer dazu einlädt, bei ihren eigenen Erinnerungen zu verweilen, zum Himmel aufzublicken und Bedeutung in dem zu finden, was knapp außerhalb des Sichtfeldes bleibt.



Kommentare