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Echos von Damals und Heute: Franklin Gothams „Good Times Bad Times“ erstrahlt mit gefühlvoller Indie-Nostalgie

  • Autorenbild: Aurora Linse
    Aurora Linse
  • 31. Dez. 2025
  • 2 Min. Lesezeit

Franklin Gothams neunte EP, Good Times Bad Times, kommt daher wie ein oft benutztes Polaroid, das man aus der Jackentasche zieht – vertraut, an den Rändern leicht verblasst, aber immer noch voller Gefühl. Die im Dezember erscheinende Fünf-Track-Veröffentlichung setzt die über ein Jahrzehnt währende Entwicklung der Band fort und bleibt dabei der emotionalen Ehrlichkeit und dem melodischen Gespür treu, die ihren Indie-Pop-Weg seit 2013 prägen. Es ist eine EP, die Nostalgie nicht als bloßen Effekt versteht, sondern als lebendige, atmende Emotion. Schon mit den ersten Momenten von „Like A Guitar“ schlägt Franklin Gotham einen nachdenklichen Ton an. Der Song setzt auf warme Klangfarben und zurückhaltende Hooks und dient als sanfter Einstieg, der zugleich intim und offen wirkt. Hier liegt eine gewisse Leichtigkeit in der Luft – fast so, als würde die Band die Zuhörer zu einem nächtlichen Gespräch einladen, statt für sie aufzutreten. Dieses Gefühl von Nähe zieht sich durch die gesamte EP.


„Caroline“ sticht als emotionales Herzstück hervor. Getragen von eindringlichen Melodien und schmerzlicher Zurückhaltung fängt der Song eine Art von Liebe ein, die noch lange nach ihrem Ende nachhallt. Die Texte balancieren Verletzlichkeit und Selbstreflexion und zeichnen den leisen Schmerz ungelöster Gefühle nach, ohne ins Melodramatische abzurutschen. Es ist ein Lied, das sich langsam einschleicht – zunächst subtil, dann plötzlich überwältigend, sobald man erkennt, wie viel von sich selbst man darin wiederfindet. Die deutlichste Verbeugung vor der Nostalgie findet sich in „Life In A Northern Town“, einer Neuinterpretation des Klassikers von Dream Academy. Anstatt den Song komplett neu zu erfinden, begegnet Franklin Gotham ihm mit Respekt und legt volle Instrumentierung sowie üppige Gesangsharmonien über ihren charakteristischen Alt-Indie- und Folk-Rock-Sound. Das Ergebnis wirkt feierlich und aufrichtig, schlägt eine Brücke zwischen Generationen und klingt dennoch unverkennbar nach der Band.



„Needles Won’t Sew“ verschiebt die Stimmung mit schärferen Kanten und introspektiver Spannung, während der Abschluss „Star Words“ mit DJ Remedy einen modernen Puls einbringt, der andeutet, wohin sich Franklin Gotham als Nächstes bewegen könnte. Die Zusammenarbeit verleiht dem Song zusätzliche Tiefe, ohne die Kernidentität der Band zu überlagern.Good Times Bad Times fügt sich nahtlos in den umfangreichen Katalog von Franklin Gotham ein – von Something You Remember bis You’re The Moon – ohne dabei repetitiv zu wirken. Stattdessen strahlt die EP Selbstbewusstsein aus: wie eine Band, die sich ihrer Geschichte sicher ist und dennoch neugierig auf die Zukunft bleibt. Für Studierende und junge Hörer, die Musik suchen, die sowohl Herzschmerz als auch Hoffnung begleitet, hält diese EP genau das, was sie verspricht – eine durchdachte Mischung aus Nostalgie und frischem Sound, die man ebenso fühlt, wie man sie hört.

 
 
 

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