top of page

Ein Fluss aus Klang und Reflexion: Marc Soucys „Près Du Fleuve (By The Saint Lawrence)“

  • Autorenbild: Aurora Linse
    Aurora Linse
  • 23. Dez. 2025
  • 2 Min. Lesezeit

Mit „Près Du Fleuve (By The Saint Lawrence)” setzt Marc Soucy das Hinterfragen von Erwartungen fort – ganz im Geist seiner neuen Reihe STIR: Soundscapes Evoking Realities Only Imagined. Während die STIR-Veröffentlichungen die Hörer in kühne, konzeptgetriebene Klanglandschaften führen, wirkt dieses Stück eher nachdenklich und intim – weniger wie ein dramatisches Statement, sondern vielmehr wie ein stilles Gespräch mit Ort, Erinnerung und Bewegung.

Der Track entfaltet sich geduldig und ruft den ruhigen, zeitlosen Fluss des Sankt-Lorenz-Stroms selbst ins Gedächtnis.

Schon in den ersten Momenten schafft Soucy eine Atmosphäre, die zugleich filmisch und zutiefst persönlich wirkt. Sanfte melodische Figuren treiben ein und aus, getragen von Harmonien, die klassische Zurückhaltung andeuten, dabei jedoch frei von starrer Form bleiben. Ein deutliches Gefühl von Raum ist spürbar; die Töne dürfen atmen, und die Stille spielt eine ebenso bedeutende Rolle wie der Klang selbst.

Was „Près Du Fleuve” besonders fesselnd macht, ist seine Weigerung, sich eindeutig einem einzigen Genre zuzuordnen. Hörer mögen Anklänge an klassischen Impressionismus, ambientartige Texturen oder sogar subtile Folk-Einflüsse wahrnehmen, doch das Stück legt sich nie vollständig auf eines davon fest. Dies entspricht genau Soucys eigener Beschreibung seiner Musik als „ein bisschen von allem zugleich“. Das Ergebnis ist Musik, die organisch statt konstruiert wirkt – von Intuition geleitet statt von Konvention.

Emotional ist der Track eindringlich, ohne vorschreibend zu sein. Er sagt dem Zuhörer nicht, was er fühlen soll, sondern lädt dazu ein, eigene Erfahrungen auf seine sanft fließende Struktur zu projizieren. Der Fluss wird zur Metapher: für das Vergehen der Zeit, für Reflexion und für Kontinuität im Wandel.


Diese zurückhaltende emotionale Tiefe zählt zu Soucys großen Stärken als Komponist und hebt seine Arbeit von stärker dramatisierter oder programmatischer Instrumentalmusik ab.

Im Kontext von Soucys umfassender Karriere – die sich über Jahrzehnte des Komponierens und Jahre professioneller Produktion erstreckt – wirkt „Près Du Fleuve (By The Saint Lawrence)” wie das Werk eines Künstlers, der frei von Trends und Erwartungen ist. Hier zeigt sich Selbstvertrauen, aber auch Demut: das Vertrauen in die Kraft der Subtilität und die Demut, die Musik leise sprechen zu lassen, statt nach Aufmerksamkeit zu rufen.

Während Marc Soucys Originalmusik nun endlich Hörer auf der ganzen Welt erreicht, erinnert dieses Stück daran, dass Innovation nicht immer Übermaß bedeutet. Manchmal bedeutet sie Zurückhaltung, Klarheit und die Bereitschaft, der Fantasie freien Lauf zu lassen – ganz wie ein Fluss, der genau dorthin fließt, wohin er will.

 
 
 

Kommentare


Abonnieren Sie unseren Newsletter

bottom of page